Rezension | Kelli Estes - Die Seideninsel

Dienstag, Februar 07, 2017

Hallo ihr Lieben,

In letzter Zeit gibt es gefühlt immer mehr Romane mit zwei Protagonisten, von denen einer in der jetzigen Zeit und der andere in einer früheren Zeit lebt. Teilweise ist es auch nur ein Protagonist, dessen früheres und jetziges Leben abwechselnd thematisiert ist. Eigentlich dachte ich immer, dass ich kein großer Freund historischer oder historisch angehauchter Romane bin, aber "Die Seideninsel" von Kelli Estes konnte mich überzeugen. So viel kann ich bereits verraten.


Titel: Die Seideninsel
Autor: Kelli Estes
Verlag: Goldmann
Seitenzahl: 480
Genre: historischer Roman
ISBN: 978-3442484300
Preis: 9,99 € [D]


"Als Inara Erickson die alte Villa ihrer Tante erbt, kehrt sie nach Jahren wieder auf Orcas Island im Nordwesten der USA zurück. In ihrer Kindheit hatte sie hier ihre Sommer verbracht, ohne zu ahnen, welches Geheimnis das Haus hütete. Nun aber entdeckt Inara unter einer losen Treppenstufe ein seltsames Stück Stoff, kunstvoll mit chinesischen Stickereien bedeckt. Sie scheinen von einer Frau zu erzählen, die im 19. Jahrhundert auf der Insel lebte. Fasziniert beschließt Inara, deren Geschichte zu entschlüsseln, und kommt so dem Schicksal der Chinesin Mei Lien auf die Spur. Doch je mehr sie sich damit befasst, umso tiefer dringt sie in ein dunkles Geheimnis ihrer Familie ein. Bis sie vor der schwierigsten Entscheidung ihres Lebens steht ..." (Quelle)



Das Buch ist in zwei Handlungsstränge gegliedert, ein Teil spielt im 19. Jahrhundert mit der Hauptprotagonistin Liu Mei Lien und der andere Teil in der jetzigen Zeit mit Inara Erickson. Der Epilog beginnt ziemlich dramatisch. Mei Lien wird auf einem Schiff von ihrem Vater ins offene Meer geschubst. Somit ist direkt am Anfang sehr viel Spannung aufgekommen und ich wollte wissen, wie es zu dieser Szenerie kam.  

Mei Lien ist eine junge Chinesin, die gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Großmutter in Seattle wohnt. Wie man jetzt vermuten könnte, ist sie allerdings nicht in China geboren, sondern wirklich in Seattle. 
Dennoch wird die Familie aufgrund des 1882 erlassenen Chinese Exclusion Acts aus den USA vertrieben und sie müssen auf ein Schiff steigen, welches vermeintlich nach China fährt. Mei Lien wird allerdings sehr schnell klar, dass die Passagiere ihr Ziel nie erreichen sollen.
Sie springt ins kalte Meer und wird glücklicherweise kurz vor dem Ertrinken von Joseph gerettet, der sich um sie kümmert und ihr hilft. Die beiden kommen sich näher, obwohl sie beide in einige Schwierigkeiten geraten. 

Inara ist 24 Jahre alt, hat zwei Geschwister und ihr Vater leitet ein angesehenes Schiffahrtsunternehmen. Gerade hat Inara ein BWL Studium abgeschlossen und nun möchte ihr Vater, dass sie bei Starbucks einsteigt. 
Inaras Mutter starb vor Jahren bei einem Autounfall auf Orcas Island, an dem sie sich noch heute schuldig fühlt. Als sie das dort stehende Haus von ihrer verstorbenen Tante erbt, wo sie eine schöne Zeit ihrer Kindheit verbracht hat, ist klar, es wird sofort verkauft werden. Zu viele schlechte Erinnerungen an den Tod ihrer Mütter sind damit verbunden. 
Allerdings kommt es bei einem Besuch dann ganz anders und Inara entscheidet sich, das Haus zu einem Boutiquehotel umzubauen, so wie es sich ihre Tante gewünscht hatte. Bei Beginn der Renovierungsarbeiten findet Inara plötzlich einen wunderschön bestickten Seidenärmel unter einer Treppenstufe, in dem sich viele Geheimnisse verbergen....

Mei Liens Geschichte fand ich sehr berührend und traurig. Die junge Chinesin ist sehr stark und macht viel mit, aber dennoch hält sie immer an ihrer Kultur fest und steht zu ihren Wurzeln. Ihr Charakter wurde wirklich toll beschrieben und auch Joseph war mir wahnsinnig sympathisch. Die historischen Ereignisse waren zum Großteil recht wahrheitsgemäß dargestellt, nur zum Teil eben zur die Geschichte passend etwas abgeändert. Jedenfalls fand ich diesen historischen Hintergrund sehr informativ und spannend. 

Inara hat man etwas weniger gut kennengelernt und teilweise hat sie auch etwas vorschnelle Entscheidungen getroffen. Manchmal hätte sie meiner Meinung nach etwas zu viel "Glück", beispielsweise möchte sie ja das alte Herrenhaus ihrer Tante umbauen und zufälligerweise ist ihr Nachbar Bauunternehmer. Das wirkte etwas konstruiert. Ansonsten fand ich sie aber schon sympathisch, da ich ihre Entscheidungen meist ziemlich gut verstehen konnte und Orcas Island war ein wunderschön idyllischer, ruhiger Ort für die Geschichte. 

Ich fand den Roman wirklich interessant und spannend, was natürlich auch dem gefühlvollen und fesselnden Schreibstil von Kelli Estes zu verdanken ist. 



Wie ihr merkt, gefiel mir das Buch gut und besonders der Teil von Mei Lien konnte mich überzeugen. Inaras Geschichte war dagegen zwar nicht so spannend, weshalb ich einen halben Stern abgezogen habe, aber gesamt bin ich wirklich überzeugt. Auch von dem hübschen, blumigen Cover. 



Interessieren euch historische Romane?
*Das Buch wurde mir kostenlos vonm Goldmann
Verlag zugesendet. Vielen Dank dafür!

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